Konzertabend dominiert von Traurigkeit

Wolffersdorff und Lies bereiten Wechselbad der Gefühle

BAD PYRMONT. Ein Konzertabend für Frauen, also „Von Frau zu Frau“, wie es in der Ankündigung hieß, mit dem in einem Nebensatz eingebundenen Hinweis, dass es eventuell doch etwas sein könnte, was Männer interessiert. Doch nur jedes fünfte Wesen, das sich die Treppe zur Beletage im Schlossmuseum hinauf begab, ließ sich dem männlichen Geschlecht zuordnen.

Möglicherweise hatten sich aber auch die Herren zuvor kundig gemacht, denn der ursprüngliche Gedichtszyklus von Adelbert von Chamisso, der von Frauenliebe und -leben handelt, von Robert Schumann vertont worden ist und an diesem Konzertabend programmmäßig angekündigt worden war, handelt zwar von der innig heißen ersten Liebeserfahrung, doch endet dann doch eher tragisch und traurig.

Und so wechselten nicht nur die darbietenden Künstlerinnen alte gegen modernere Musikstücke, sondern auch die lauschenden Konzertbesucher ihre Gefühlswelt. Schmetterlinge im Bauch dürfte so manche Frauen im Saal gespürt haben, als die Pianistin Karel Svobodas „Küss mich, halt mich, lieb mich“ aus dem Kultmärchen Drei Haselnüsse für Aschenbrödel anstimmte und die Mezzosopranistin zauberhaft einfühlsam mit ihrer Stimme Stimmung modellierte. Es verlockte zum Augenschließen und sich wiegend Hinzugeben.

Zu diesem Zeitpunkt hätte das Konzert für die Menschen zu Ende sein können, die sich eben dieses verzaubernde und lebensbejahende Gefühl wünschen und bewahren möchten. Doch das Leben ist nicht immer so, wie denn auch von Chamisso in seinem Gedicht beschreibt, das fortan mit zunehmenden Molltönen auch zunehmende Traurigkeit vermittelte. Traurigkeit über das Vergehen der Liebe, dem Einsetzen von Einsamkeit, Misstrauen, Ehebruch bis hin zum Tod, endend in Mozarts „Ora pro nobis“, wobei Stimmlage und Piano ausgezeichnet zueinander passten.

„Das ist so traurig“ kommentierte leise eine Besucherin. Wenn da nicht Ann-Sophie und Charlotte, die beiden Kinder der Künstlerinnen, Schwiegermamma Marianne von Wolffersdorff sowie Titus Malms gewesen wären. Während Malms gewohnt humorvoll und belesen einzelne musikalische Passagen und auch den Einsatz der beiden Mädchen moderierte, dekorierten die beiden Jungstars immer wieder aufs Neue ein Tischchen mit zu den Textpassagen passenden Utensilien. Und da Mozarts Abschluss die Konzertbesucher wohl doch zu depressiv entlassen hätte, brachte Schwiegermamma mit einer eingeschobenen Arie aus dem Figaro die beiden Künstlerinnen dazu, den Abend mit einer Melodie über Liebesglück ausklingen zu lassen, womit der Bogen wieder zu den anfangs vernommenen wohligen Gefühlen geschlagen worden war.

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