Musikalische Interpretation der Liebe … Bürstädter Zeitung, 04.09.2017 Meike Paul

KONZERT Duo „Festgesang ZuZweit“ zu Gast / Emotionale Lieder aus „Carmen“ und „Figaros Hochzeit“

BÜRSTADT – Die eigene Gefühlswelt musikalisch zum Ausdruck zu bringen – das ist das Anliegen des Musik-Duos „Festgesang ZuZweit“. Am Samstag gelang genau das der Sängerin Almuth von Wolffersdorff und Pianistin Ann-Claire Lies, die im Rahmen der Konzertreihe „Große Musik in kleiner Kirche“ in die evangelische Kirche in Bürstadt eingeladen hatten. Mit „von Frau zu Frau – kann man/Mann die Liebe definieren“, präsentierten sie ein stimmgewaltiges Crossover durch die Musikgeschichte und gaben Interpretationen der Liebe der unterschiedlichsten Komponisten wieder.

Nach jahrelanger Gesangsausbildung in diversen Chören, Projekten und Gottesdiensten konnte sich Sängerin Almuth von Wolffersdorff im Frühjahr vergangenen Jahres endlich einen langgehenden Traum erfüllen: Gemeinsam mit Freundin Ann-Claire Lies gründete sie das Duo „Festgesang ZuZwei“, mit dem sie emotionale Veranstaltungen wie Trauungen, Taufen oder Geburtstage zu einem unvergesslichen Erlebnis machen möchte. Zum Repertoire der Frauen gehören vor allem gefühlsbetonte Titel, eben genau jene, die den Zuhörern Tränchen in die Augen treiben und Gänsehaut bescheren.

So herrschte auch am Samstag andächtige Stille, als von Wolffersdorff zu „Habanera“, oder „L’amour est un oiseau rebelle“ (Die Liebe ist ein wilder Vogel) aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet ganz tief Luft holte.

Stimmgewaltig und ergreifend ging es auch weiter, etwa mit „Non so piu, cosa son cosa faccio“ aus Mozarts „Figaros Hochzeit“. Und schnell wird klar: Liebe ist nicht immer eitel Sonnenschein. Sondern meistens Gefühlschaos und nicht selten süßer Schmerz, der die Komponisten wie Georg Friedrich Händel überhaupt erst zu Werken wie „Ah, mio cor, scernito sei“ aus der Oper „Alcina“ veranlasst.

Liebe ist nicht immer eitel Sonnenschein

Es ist die Angst, verlassen zu werden. Es ist die Angst, nicht zurückgeliebt zu werden, und es sind die emotionalen Sprachen, Französisch, Italienisch und Spanisch, die den Liedern ihren ganzen Ausdruck verleihen.

Dazu greift Ann-Claire Lies beherzt in die Tasten ihres Keyboards und lässt die ganze Kirche beben. So, dass sich kein Zuhörer den Tönen entziehen kann. Eben so, wie sich ein Liebender seinen Gefühlen nicht entziehen kann. „Vernunft kann reden; es ist die Liebe, die singt“, kommentiert Moderator Ralph Vierheller, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Und es scheint, als wäre es genau jene Entrücktheit, die das ganze Mysterium zu fassen scheint. Daneben wartet das Duo aber auch mit erfüllten Liebesgeschichten auf. Ergreifender waren wohl aber vor allem Robert Schumanns „Der Himmel hat eine Träne geweint“, Franz Schuberts „Die Liebe hat gelogen“ oder „Als geblüht der Kirschbaum“ aus Carl Zellers „Vogelhändler“. Herz-Schmerz pur. Der Stehapplaus war den Künstlerinnen somit sicher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.